Finale Ligure

Freitag Abend fuhren wir voll bepackt erstmal Richtung Süden. Die ersten 600km fuhr ich, konnte dann erstmal schlafen und wachte morgens gegen 6h kurz vor Mailand wieder auf. In Milano machten wir einen kurzen Stop, frühstückten zusammen mit Marcs befreundeten italienischen Medizinstudentinnen und fuhren weiter nach Finale Ligure. Die ersten zwei Tage hiess es erstmal „Urlaub vom Urlaub“ und gemütliches Beachen den ganzen Tag über.
Gestern Abend erfuhren wir, dass „Finale Freeride“, der Organisator und Bikeguide für die bekannten lokalen Trails ausgebucht ist. Für uns hiess das alles auf eigene Faust zu machen. Flori war „zum Glück“ noch etwas von seinen vorherigen Krankheiten angeschlagen und durfte ;) Marc und mich shutteln. Es ging rauf auf 1400hm, 45min einspurige Serpentinen-Fahrt direkt in ein altes Militärgelände.  Der erste Trail des Tages war schnell, hatte viele offcamber Kurven, schnelles Zick-Zack um die Bäume und unten Highspeed mit Buckeln, die man für allemöglichen Spielereien missbrauchen konnte. Etwas nervig: Vor uns war gerade eine Bikertruppe mit Guide unterwegs, hiehlt uns ab und zu auf – allerdings wussten wir dann, wo wir lang mussten. ;)
Einige Serpentinen weiter unten angekommen, trafen wir wieder auf Flori und informierten uns bei dem Bikeguide, welcher Trail in welches Tal führen würde. Unsere Karte war eher schlecht als recht und half uns nicht sehr viel weiter. Kurzer Hand probierten wir den nächsten „roten“ Trail, wessen Terrain vergleichbar mit dem Ersten war. Weiter unten wurde er steiler, hatte teilweise Gardaseecharakter und viele Links-Rechts-Combos, viele Spinnennetzen; Abenteuer pur eben.
Letztendlich landeten Marc und ich in der Pampa, fragten uns durch und etliche Kilometer CC-Tour auf der Straße, trafen wir ganz zufällig auf unseren Shuttlefahrer, der schon nach uns in mehreren Täler gesucht hatte. :D
Kurz Pestolasagne als Stärkung und diesmal auf der Suche nach einem längeren Trail, fanden allerdings nur eine „schwarze“ Piste. Teilweise steil und schnell, mit Gegenanstiegen, sehr vielen losen Steinen und engen Haarnadelkurven, natürlich mit Dauerregen, d.h. das Bremsen führte nur dazu die Geschwindigkeit beizubehalten und im Blindflug über Steinstufen und Geröll ins Tal zu schiessen. Super sketchy riding on the edge – at it’s best!
Wieder in einem anderen Tal gelandet ging das gleiche Spiel von vorne los. Unseren Treffpunkt fanden wir nicht, dafür eingebildete und unfreundliche Engländer, die uns total verwirrten. Leicht frustriert konnten wir Flori wieder zufällig ein paar Dörfer weiter entdecken – Tag gerettet!
Alle Fotos.

Gestern hiess es für mich etwas kürzer treten, da ich mir wohl eine Mittelohrentzündung eingehandelt habe. Bei meinem letzten Italienbesuch letztes Jahr kam ich mit „Magen-Darm“ nach Hause – irgendwas ist faul.
However, der örtliche Otorinolaringoiatria (HNO) konnte kein Englisch, ich durfte ihm daher mit Handzeichen und Geräuschen erklären, was bei mir Sache ist. Demnach bin ich jetzt für sieben Tage mit Antibiotika und Ohrentropfen auf Achse.
Heute liessen wir mal wieder Flori alleine am Strand braten und Marc und ich erkundeten die Trails nahe der Küste beim Nachbardorf Varigotti. Nach knapp zwei Stunden Suchen und mit unserem dürftigen Kartenmaterial und der ein oder anderen Trailmap konnten wir den ersten „schwarzen“ Trail finden. Start war auf knapp 450hm mit sehr viel Geröll und von trockenen Thymiansträuchern umringt ging es bergab immer das Mittelmeer vor Augen. Teilweise war die Abfahrt ausgewaschen und sehr viel Steine machten den Trail sehr rutischig. Da wir nicht shutteln konnten, mussten wir nach „No Climb, no Ride“ Manier in der glühenden Mittagssonne wieder bergauf.
Marcs zwei Platten kamen wie gerufen, denn Pausen konnte man nicht genug machen. Gegen Nachmittag fuhren wir noch einen „roten“ Trail, der mehr Highspeed Passagen besaß und sich um die ein oder andere Bergkuppe windete.
In den nächsten Tagen hoffen wir auf einen nicht ausgebuchten Shuttleservice, da unter der Woche die Transporter still stehen.

Flori konnte sich heute Morgen doch noch motivieren mitzukommen und so fuhren wir nochmal ins Hinterland von Finale Ligure, um eine andere unbekannte Ecke mit Trails auszuprobieren. Ich war als Erster mit Shutteln dran, konnte daher noch gemütlich zu Audioslave die chaotischen italienischen Autofahrer ausbremsen und mir das ein oder andere Hupkonzert leisten. (BTW: Die schmalen kurvigen Straßen veranlassen alle Autofahrer dazu, zu hupen, damit der Gegenverkehr dementsprechend reagieren kann). So wurde also nach gut alter deutscher Manier auf das eigene Recht bestanden und einfach draufgehalten, was die Straßenbreite oder die Bremsen des „feindlichen“ PKWs hergeben.
Tatsächlich wurden wir heute fast zweimal Opfer eines Unfalls, welchen wir nur mit extremen Ausweichmanövern entgehen konnten.
Ein weiteres Mal fanden nach langem Suchen die ausgesuchten Trails. Man könnte meinen, dass die MTB Touren Veranstalter verhindern möchten, dass die Strecken weit bekannt werden – von wegen Geldmacherei mit den Trailguides & Shuttlen.
Uns erwartete ein schneller „Tunneltrail“ der von einem Bachbett ins Nächste wechselte. Einige spassige Wellen und Senken konnte man nach der zweiten Fahrt super fahren und zu etlichen Spielereien nutzen. Der Anfang des Trails ist in dem schweizer MTB-Film „Virtous“ im „Mattias Hüsler“ Part gegen Ende des Movies sehen.
Der letzte Teil des Trails schlängelte sich durch enge steile Gassen von Carbuta, von wo aus wir wieder nach oben shuttelten.

Vorgestern verabredeten wir uns mit einer deutschen Bikerfamilie, die dieses Jahr schon zweimal in Finale Ligure gewesen sind. Marvin, sieben Jahre alt, fuhr mit uns mit, egal wie lange und anstrengend die Strecken waren. Tüchtig tüchtig – weiter so! Sie kannten sich daher sehr gut aus und konnten uns einige versteckte Trails zeigen, ohne dass wir auf Karten oder Trailguides angewiesen wären.
Am achten Tag unseres Aufenthalts erfuhren wir von unserer Nachhut, die sich schon in Morzine befand, dass unsere Chalet Reservierung verplant worden ist – Franzosen … Morzine ist zu dieser Jahreszeit DER Bikerort in Portes Du Soleil. Daher legten wir gestern kurzer Hand einen Strandtag ein, organisierten eine neue Unterkunft (für 10 Personen ist das nicht so einfach) und nach einigem Hin und Her haben wir unser Häusle für die kommenden 10 Tage in Morzine doch noch ergattert und der Vorbereitung für das iXS-EDC Rennen in Châtel steht nichts mehr im Wege.
Heute hatten wir zwei Trails genau vor Augen. An einer alten NATO Base auf 1050hm startete die besagte Abfahrt. Flori und ich verpassten trotz Abfahren etlicher Forstwege in aller Himmelsrichtungen den Abzweig ins Tal. Aus einem 8km langen Downhill wurde eine dreistündige CC Tour und gefühltem 3000hm Schieben und Forstweg Downhills. Gegen Nachmittag erreichten wir unser letztes Ziel. Ein „schwarzer“ DH, im oberen Teil sehr verblockten mit einigen kniffeligen Trialpassagen mit „Hinterrad umsetzen“ und im unteren Teil viel Gerumpel über lose Geröllfelder und und Rinnen.
Morgen geht es weiter nach Morzine, zuvor geht es für mich in ein Krankenhaus in Genf, da meine angebliche Mittelohrentzündung nicht besser ist und es wahrscheinlich doch ein Hörsturz sein wird. Hoffentlich wird die Behandlung nicht all zu lange dauern …